Oktober – Abschied

Ein Hauch von Melancholie liegt in der Luft, denn im Oktober beginnt die Zeit Abschieds, des Loslassens. Herbstnebel ziehen auf und verhüllen die Landschaft. Das helle Licht und die Wärme des Sommers verabschieden sich und allmählich breitet sich Dunkelheit aus. Zugvögel bilden Schwärme, um mit wehmütigem Geschrei gen Süden zu ziehen. Viele Tiere sammeln eifrig die letzten Vorräte für den Winter und beginnen dann ihren Rückzug in die Erde. Letzte Blüten welken, die Blätter der Bäume verfärben sich in flammendes Rot und fallen zu Boden. Das goldene Licht der schrägstehenden Sonne, die strahlenden Farben des Laubes , der Moose und Flechten und die herbstlichen Sonnenuntergänge feiern den Abschied mit gewaltiger Schönheit.
Doch dann vergeht die Pracht. Die Landschaft verliert ihre Farbe, scheint zu schlafen. Stämme und Zweige bleiben kahl, leblos wirkend zurück. Nackt, reduziert auf das Wesentliche.
Der Oktober bringt den allmählichen Abschied von der aktiven, nach aussen gerichteten Energie. Die Kräfte des Wachstums ziehen sich zurück, durch den Stamm und die Wurzeln hinein in die Erde, zurück zu ihrem Ursprung, um in dieser Rückbindung Heilung und Erneuerung zu finden. Die Zeit der Ruhe beginnt.
Auch für uns Menschen eignet sich der Herbst, um uns für eine Weile aus der gewohnten Welt der Äußerlichkeiten zurück zu ziehen.
Um all unsere Masken und Schutzhüllen, die wir sonst nach außen tragen, wie das Herbstlaub fallen zu lassen. Um uns zu fragen, was von uns bleibt, wenn wir alle Rollen, Geschichten und Habseligkeiten, mit denen wir uns im Alltag identifizieren, loslassen. Wenn wir uns auf das Wesentliche besinnen und uns Zeit nehmen, mit unserem wahren Wesen in Kontakt zu treten. Mit dem, was uns im tiefsten Innern ausmacht, mit der Wurzel, dem Stamm unseres Daseins mit allen Verzweigungen unseres Gewordenseins. Wie geht es uns, jetzt gerade? Wenn wir ungeschönt alles spüren, was unser Lebendigsein in diesem Augenblick umfasst? Haben wir uns ernst genug genommen und ausreichend geliebt, um nach den eigenen Bedürfnissen und Träumen zu leben? Sind unsere Visionen, die im Frühling geboren wurden, gewachsen, erblüht und haben Früchte getragen?
Der Oktober lädt uns ein, Bilanz zu ziehen und auszumisten. Uns von allem, was uns bremst, allem Überflüssigem, allem Zuviel, zu verabschieden. Beherzt loszulassen, was nicht ( mehr ) wirklich wichtig oder nicht ehrlich ist. Verantwortung für unsere Energie zu übernehmen und sie dort zu investieren, wo die Freude ist.

Eine Antwort auf „Oktober – Abschied

  1. Liebe Lisa, leider ist dein Text angeschnitten bei mir angekommen – gerade fahren wir gen Norden und flammende herbstfarben begleiten unseren Weg – die blutbuche in unserem Garten färbt sich grün wenn alle andren Bäume herbstlich bunt werden – und später dann orange – so feiert auch die Natur ihre Abschiede auf vielerlei Weise .
    Ich bin berührt von der Tiefe u Schönheit deiner Worte – und freue mich schon jetzt auf dein Buch , das noch auf den erweckenden Kuss wartet – ich wünsche dir die Zeit und Ruhe die es braucht ganz bald !
    Lg sanna

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