April – Öffnung

Der Name April kommt vom lateinischen Wort aperire. Es bedeutet öffnen.
Blüten und Blätter öffnen sich jetzt überall und erfreuen uns mit ihren zarten, fröhlichen Farben.
In der Frühlingssonne taut endlich der Boden auf, Gerüche kehren zurück, der Wald beginnt zu duften….. nach sonnenwarmer Erde, feuchtem Moos, würzigem Bärlauch und frischem Gras. Unzählige Schattierungen von Grün malen die Hügel sanft, Buschwindröschen, Ehrenpreis und Veilchen tupfen sie bunt.
Die Natur kitzelt unsere Sinne wach, lockt uns nach draußen und öffnet mit ihrer Schönheit unsere Herzen.
Doch der April, der weiß nicht, was er will!
Manchmal ziehen plötzlich dunkle Wolken auf und schütten Hagel oder Schnee über die Landschaft. Dann malt des nachts der Frost Eisblumen ans Fenster, als wollte er dem Frühling sagen: Schau, das mit den Blumen, das kann ich auch!
Obwohl die Gegenkräfte des Winters noch immer spürbar sind, recken sich die Pflanzen zum Licht und öffnen sich.
Blätter und Blüten wachsen der Sonne entgegen und trotzen tapfer dem Frost. Dem Wechsel der Witterung ausgesetzt, gewinnen sie gerade dadurch ihre Stärke. Nur durch die Erfahrung der wirkenden Gegensätze werden sie kräftig und widerstandsfähig. Es braucht den rauen Wind, um die Stiele zu stärken, damit sie Blätter, Blüten und Früchte tragen können und es braucht die Wärme der Sonne, um die Blüten zu öffnen. Eine Pflanze, die in einem geschützten Raum vorgezogen und erst dann ins Freiland gepflanzt wird, ist anfälliger und schwächelt später oft in den Turbulenzen des Wetters.
Von der Natur im April können wir einiges lernen:
Manchmal fällt es schwer, sich nach Verletzungen oder Enttäuschungen wieder für Neues zu öffnen. Wir ziehen uns dann aus Angst vor erneutem Schmerz zurück, wollen uns schützen, unangreifbar machen.
Doch ohne Öffnung kann die Kraft des Lebens nicht durch uns hindurchfließen und uns darin unterstützen, unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten zu entfalten. Ohne Öffnung können wir nicht erblühen, lieben und die Vielfalt des Lebens mit allen Sinnen erfahren. Jede Kraft weckt Gegenkräfte. Wer sich öffnet, wird verletzlich. Doch Widerstände, Widrigkeiten und traurige Erfahrungen gehören zum Wachstum dazu, machen uns stark und resilient.
Sie sind ein Teil des Lebens. Wir können sie nicht vermeiden. Aber wir können lernen, sie anzunehmen und an ihnen zu reifen.
Der April fordert uns heraus, unsere Ängste und Grenzen zu spüren, uns angemessen zu schützen, Gegenkräfte und Widerstände zu würdigen und uns trotzdem vorsichtig und mutig dem Leben mit all seiner Wildheit und Unberechenbarkeit zu öffnen. Nur so entstehen innere Stärke und Vertrauen in uns selbst.

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